Auf nach Ostpreußen

15.09.2023

Wir fahren nach Ostpreußen, jawoll.

Um genauer zu werden, über Bremen, die Müritz, Stettin und Stargard, Danzig und weitere Orte, um schließlich in Masuren die wunderbare Landschaft und atemberaubende Idylle, Küche, Land & Leute näher kennenzulernen. Wir werden möglicherweise nicht weit von Kaliningrad, ehemals Königsberg, vorbeikommen.

Wir nehmen Hund, Räder und Fahrradhänger mit und wollen, man ahnt es, viel mit den Rädern unterwegs sein. Mitte September zu starten ist immer so ne Sache: wird's spätsommerlich gnädig oder geht im nördlichen Osten schon der Herbst los?

Eine Kristallkugel haben wir nicht und die Wettervorhersagen taugen bestenfalls für drei, vielleicht vier Tage. Und selbst dann ist man vor Überraschungen nicht gefeit.

Wie auch immer. Los geht's! Wir starten gegen 14 Uhr und fahren aus dem Elsaß, diesmal die deutsche Autobahn, und haben - oh Wunder!, keine Staus. Wir nehmen unser erstes Quartier an der Burg Herzberg ein, mit Burgschänke. Eine unbedingte Empfehlung! Diese liegt etwa 11 Km von der Autobahnausfahrt Alsfeld Ost entfernt und man biegt dann rechts ab und hat 3 Km im Wald auf einem Berg (logisch!) vor sich und ist mir vor zwei Jahren eher zufällig aufgefallen, weil ich mich verfahren hatte. Eine echte bewohnbare Burg aus dem 13. Jahrhundert, ein echter Baron und eine lange Tradition sprechen für sich. Dort wurde übrigens 1968 das erste "Hippiefestival" abgefeiert, sogar noch vor "Woodstock". Campieren vor der Burg ist ausdrücklich erlaubt, man muss es in der Burgschänke, betrieben von einem sehr engagierten Ehepaar mit Kindern, anmelden. Man zahlt 10 € und darf dort legal im Wald an der Burg campen. Man hat zwar keinen Service wie Toiletten und so. Aber echte Camper sind ja eh autark unterwegs. Obwohl an dem Abend eigentlich geschlossen, wurden wir spontan und freundlich bewirtet. Der sternenklare Nachthimmel, die wunderbare Ruhe und ein grandioser Morgen haben uns sofort das so schöne Urlaubsgefühl vermittelt. Mitten in Deutschland.

Burg Herzberg bei Alsfeld / Hessen
Burg Herzberg bei Alsfeld / Hessen

Dann sind wir in Hildesheim gelandet. Dort haben wir gebummelt und eine obergeile Eisdiele entdeckt. Lecker Eis & Kaffee & Cappucino für (viel) Geld. Aber lecker wars.

Dann musste ich mir beim "Dynamo" in der Goschenstraße noch ein zusätzliches Schloss für mein Fahrrad kaufen. Ich habe zwar zwei starke Schlösser mitgenommen, aber leider die dazugehörigen Schlüssel zu Hause vergessen. Ooh neiin!

Nun sind wir in Bremen Borgfeld an den Wümmewiesen in der von uns so geschätzten Natur, umgeben von Pappeln, Wiesen, Vögeln, Kühen - und der Wümme. Eigentlich brauchen wir nicht mehr ...

Unsere Weiterfahrt ist für Montag geplant. 


Montag, 18. Sep.

Schon sind wieder drei schöne Tage ins Bremerland gegangen und wir haben ein Klassentreffen und Freunde wiedergetroffen. Ein langes, aktives Wochenende.

Nun packen wir unsere sieben Sachen, kaufen noch den Kühlschrank und die Obstkiste voll und fahren gen Osten. Wir haben einen Zwischenstopp in Lüneburg. Diese Stadt liebt meine bessere Hälfte und so "mussten" wir dort Mittag essen in der Altstadt. Wat iss dat schön. Anschließend noch ein kleiner Schlendergang durch die Gassen und dann sind wir auch schon weiter.

Wir kommen am Spätnachmittag in der Mecklenburgischen Seenplatte an und machen verschiedene Campingmöglichkeiten aus. Dabei werden wir schnell fündig, da wir die beiden teueren Plätze einfach ignorieren. Über 50 € pro Übernachtung ist dann doch schon so zwischen unverschämt und nur noch gierig. In Jabel bleiben wir drei Tage, so unser Plan. Der Platz ist einfach, hat aber alles zu bieten, sogar ein Restaurant, wenn wir wollen. Es ist wenig los und wir genießen genau das und unseren Platz direkt am Wasser des Jabelischen Sees, umgeben vom Fleesensee, Kölpinnsee und dem großen Müritz.

Wir haben immer noch 25° wie nachmittags und beschließen, morgen am Dienstag gleich eine Seeumrundung mit den Rädern.


Dienstag, 19. Sep.

Radtour am Dienstag, mehr Km als geplant
Radtour am Dienstag, mehr Km als geplant

Es ist ein Sonne-Wolkenmix und sehr, sehr windig. Eigentlich stürmisch. Wir machen uns auf den Weg und fahren für die Mittagspause ins etwa 12 Km entfernte Waren, ein nettes Städtchen. Zuvor besichtige ich noch kurz die alte Backsteinkirche in Jabel.

In Waren ist Markt und voll. Was uns auffällt: es sind (geschätzt) 90 % aller Menschen alt; und zwar ab etwa Mitte 60 aufwärts. Fast keine jungen Leute. Wir sind auch nicht mehr die Jüngsten, fühlen uns aber angesichts des Publikums jung.

Mittags gibt es heute mal vietnamesich. Die Ente war gut und mager, das Gemüse reichlich und knackig. Die Garnelen auch, aber die Soße eine mittelschwere Katastrophe. Letzteres hat min Fru nicht angerührt.

Nach dem Abstecher nach Waren ging es drei Km zurück, um den Kölinsee und den Fleesensee zu umrunden. Man, was für ein Wind! Irre stark und zu 70 % unserer Gesamttour heute von vorne. Wir kamen von Grabenitz über Malchow und weitere kleine Orte wieder zurück und hatten etwa 70 Km zurückgelegt und waren zufrieden geschafft.

Unser Platz
Unser Platz

Abends haben wir uns Pfifferlinge mit Omelette gegönnt, natürlich frisch & selbst zubereitet. Und das war dann auch schon unser aktiver Dienstag. Und Hundi hat alles in seinem Hänger wunderbar mitgemacht und ist natürlich auch ordentlich gelaufen.

Was uns aufgefallen ist: wir sind weite Strecken weit ab von den Seen gefahren. Wir glaubten, die Route hält sich eng am See, dem ist aber nicht so. Aber man kann häufig immer eine schöne Stelle am See finden zum Baden, relaxen und dergleichen.

Mittwoch, 20. Sep.

Wir fahren wieder nach Waren. Aber nur dorthin. Zuvor haben wir unser Mittagsmenü am Platz eingenommen; nämlich am Campingplatz. Es gab Fisch & Chips und Kotelett und Bratkartoffeln. Lecker und gut. Kein Reinfall.

Waren selbst haben wir vor allem mit Fahrrad erkundet und "unsere" Eisdiele erneut aufgesucht, was kein Fehler war. (Erst am nächsten Tag haben wir gesehen, dass die Stadt deutlich größer ist als wir angenommen hatten, als wir unsere Reise fortgesetzt haben. Aber wir haben den beschaulichen Teil kennengelernt.) Es werden 32 Km.


Donnerstag, 21. Sep.

Heute ist Sonne satt angesagt und spätsommerliche 25°, obwohl wir nun Herbst haben. Nehmen wir gerne mit.

Nachmiitagstour, 45 Km
Nachmiitagstour, 45 Km

Wir fahren mit Fahrrad nach Malchow, gute 15 Km. Dort kommen wir mittags an und -wie sollte es anders sein?- kehren wir draußen beim örtlichen Italiener ein und gönnen uns ein Menü aus drei Gängen. Astrein!

Anschließend möchte ich die gegenüber auf der anderen Uferseite liegende Klosterkirche besuchen. Wir fahren hin und genießen den Blick auf Malchow, während unser Nessi seinen Knochen genießt (getrocknete Rinderkopfhaut, ja, ja). Die Klosterkirche entpuppt sich als Teil eines Orgelmuseums. Sicher interessant, aber interessiert uns heute nicht die Bohne. Somit Zeit und Geld gespart, ab zu "Edeka", um die Kühlschrankbefüllung sicherzustellen und dann geht's auch schon wieder zurück. Es werden 45 Km und da wir erst am Nachmittag losgefahren waren, ist angesichts der beginnenden Dämmerung kurz vor 19 Uhr der Nachmittag entsprechend kurz. Aber ein wunderschöner Ausflug ist es geworden!

Von Malchow am Jabelschen See zurück zum C-Platz
Von Malchow am Jabelschen See zurück zum C-Platz

Einfach schöne Aussichten.


Freitag, 22. Sep.

Heute ist es bewölkt. Am frühen Morgen Regen. Aufbruch nach Polen. Etappenziel: Stargard. Bis es soweit ist, gibt es einen ausgedehnten Spaziergang mit Hundi, ein leckeres Frühstück und eine angenehme Plauderei mit den Campingplatzbetreibern. Alles ganz entspannt.

So schön es ist: los geht's. Wir durchqueren unter anderem Neubrandenburg, was ich so interessant finde, um am liebsten eine Tour durch die Stadt zu machen. Aber unsere Zeitmittel sind begrenzt und so gurken wir mit dem Camper weiter. Wir werden noch an einer Kreuzung geblitzt; naja, muss ja auch mal sein.

Wir kommen durch die Uckermark. Und Strasburg ist ausgeschildert. Und es ist klar, dass wir "auf besonderen Wunsch" dort Halt machen und eine Mittagspause einlegen. Es ist ein typisches Örtchen, ein Städtchen. Es gibt einen großen Rewe direkt am Markt, kein Restaurant, aber einen asiatischen Imbiss. Dort holen wir uns gebratene Nudeln mit Gemüse. Alles ganz einfach, der ganze Ort wirkt so vergessen. Menschen, die in wirklich einfachsten Verhältnissen leben. Das einzige, was sich in der Region abhebt, sind die gut ausgebauten Straßen. Ich sage zu min Fru, die Straßen sind der Tatsache geschuldet, dass Angela Merkel in der Region wohnt (oder gewohnt hat?). Sie lacht sich schlapp. Ich glaube das trotzdem.

Wir kommen irgendwann in Stargard an. Wir finden einen Parkplatz mit irre vielen Shops, Supermarkt, Baumarkt usw., der als Übernachtungsmöglichkeit empfohlen wird. Wir verbringen tatsächlich eine ruhige, gute Nacht, wenn man davon absieht, dass sich gegen 1 Uhr irgendwelche Leute auf dem riesigen Platz genau da zum Quatschen verabreden, wo wir parken. Aber es wurde trotzdem eine erholsame gute und sichere Nacht.


Samstag, 23. Sep.

Wir machen eine ausgedehnte Besichtigungstour durch Stargard. Die kleine Stadt neben der sehr viel bedeutsameren und größeren Stadt Stettin hat eine imposante uralte Stadtmauer und viele Türme aus dem 12. Jahrhundert zu bieten und mehrere Kirchen. Auch davon wieder eine aus dem 12. Jahrhundert aus klassischen Ziegelsteinen gebaut, die wunderbar erhalten geblieben ist. Leider, leider waren auch hier die Kirchen alle geschlossen.

Ansonsten ist Stargard eine heute eher belanglose und wenig schöne Stadt. Trotzdem hat es irgendwie seinen alten Kern mit einem großen Marktplatz bewahrt. Aber eben auch viele unschöne Neubauten aus der Zeit nach dem Krieg. Und das prägt das Stadtbild eben auch und mittlerweile überwiegend.

Aber: wir haben so oberexzellent gut zu Mittag gegessen in einem einfachen bürgerlichen Bistro, wo "der einfache Bürger" sich das leisten kann. Wir waren begeistert! Man kommt rein, bestellt am Treesen und zahlt. Wir haben uns selbstverständlich erstmal an einen Tisch gesetzt, um die ortsüblichen Sitten zu verstehen (und die Speisekarte nebst mitgebrachter Übersetzungshilfe).

Ich empfehle Bigos. Unbedingt! Das ist so etwas wie das polnische Nationalgericht. Kennt jeder und -richtig zubereitet- ist es der kulinarische Genuss auf Erden. Ich schwöre drauf! Auch die Klöße, die wir geordert haben, waren fantastisch.

Am Spätnachmittag finden wir im typischen Nadelwald zwischen dem jezioro Jamno und der Ostsee direkt an der Straße einen diskreten, aber sehr kleinen Parkplatz, der bestenfalls sechs Pkw's Parkraum bietet. Diesseits sind es nur wenige Meter durch den Wald direkt an den Strand zur Ostsee. Gegenüber liegt der See jezioro Jamno. Min Fru macht den Vorschlag, eine kleine Runde zum See, vielleicht eine viertel Umrundung, zu machen. Da die Sonne schon tief steht und sie sich bald schlafen legt, wäre eine Umrundung, von der wir annehmen, es wären vielleicht 35 Km, ohnehin nicht machbar.

Also radeln wir los, kommen durch urige, alte Ortschaften mit alten heruntergekommenen Häusern, aber auch immer wieder schicken Neubauten, zum Teil reichlich luxuriös.

Ostsee. Gegenüber der umrundete See, dazwischen wir.
Ostsee. Gegenüber der umrundete See, dazwischen wir.

So tasten wir uns an die Route (der Umrundung des Sees) immer weiter heran und zum Schluss kommen wir bei tiefer Dunkelheit wieder zurück zu unserem Parkplatz. Es wurden ungeplante fette 65 Km. Wir waren völlig kaputt, aber es war schön.

Insgesamt ist dort fast überall ein breiter Radweg entlang der Straßen. Dies ist wohl auch dem touristisch sehr frequentierten Ort Mielno geschuldet. Dieser zieht sich ein paar Km in die Länge und wirkt dadurch riesig und bietet Mini-Disney-Flair. Wir haben Wochenende und viele Futterbuden und Restaurants haben noch geöffnet, aber angesichts des Herbstes ist es nur noch eine Frage von Tagen, wo hier alles in den Winterschlaf fällt. Es gibt auch Campingplätze. Zwei sehr gepflegte solche haben aber schon geschlossen. Somit haben wir auch kaum eine Möglichkeit, als die, auf einen Parkplatz auszuweichen.


Sonntag, 24. Sep.

Eine Radtour ist heute angesagt. Endlich mal wieder. Um den Sarbsko. Ein wunderschöner See, direkt an der Ostsee mit einem Landstrich dazwischen und ist natürlich ein erklärtes Naturreservat. Dafür rücken wir weitere 160 Km weiter Richtung Danzig. Unser Parkplatz in der Nähe eines Tretbottverleihs ist idyllisch, vielleicht der bisher schönste Platz direkt am See. Es kommen viele ortsansäßige Spaziergänger und zeigen sich durch uns ungestört, eher freundlich neugierig.

Warnung vor Giftschlangen
Warnung vor Giftschlangen
Nowecin
Nowecin

Diese Radtour findet wieder zwischen Ostsee und dem See statt und ist einfach beeindruckend. Auch die Polen lieben den Radsport und das Keiting, aber insgesamt ist alles beschaulich und verstärkt das Entschleunigungsgefühl. Wunderschön. Hier umrunden wir die natürliche Idylle mit vergleichsweise kurzen 35 Km. Der große See "nebenan" wird mehr als dreimal so viel ausmachen. Aber wir haben ja noch viel vor.
Direkt am Sarbsko kommen wir an einem verschlafenen Campingplatz vorbei. Ab dem Moment waren wir für den Rest unseres Urlaubs gewarnt und hielten Ausschau nach Vipern.

Uns war gar nicht klar, dass es hier diese Kategorie von Schlangen gibt. Man gut, dass wir keine mehrtägige Radtour mit Zelten machen.

Ungeachtet dessen genießen wir den Tag, die Abendstimmung und die morgendliche Frische bei stahlblauem Himmel und knackigen 8°. Gut, dass der Transit einen hohen Einstieg hat, denk ich noch ...

Heute gemütliche 25 Km. Typische Sonntagstour
Heute gemütliche 25 Km. Typische Sonntagstour

Dann machen wir uns nach ausgiebigem Frühstück auf nach Danzig, der Stadt Pommerns.


Montag, 25. Sep. bis Freitag, 29. Sep.

Wir verbringen einen intensiven Tag in Danzig und erkunden per pedes über 15 Km die Innenstadt und sind vom angenehmen Flair der großartigen Stadt an der Ostsee angetan. Der sonnenreiche Tag lässt viel sommerliche Atmosphäre aufkommen; die Menschen, natürlich auch viele Touris, lassen sehr viel Kleidung weg - oh là là.
Viele alte architektonische Meisterwerke aus der Zeit des Mittelalters mit deutscher Handschrift faszinieren einfach und wir schaffen es nicht, die vielen Kirchen zu besuchen. Aber immerhin einige. An den weiteren alten Häusern können wir uns kaum sattsehen. Gleichzeitig trösten wir uns damit, dass unser Besuch eine Schnupper-Stippvisite ist. Denn eigentlich braucht man natürlich einige volle Tage für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (und das abendliche Restaurant- und Kneipenleben) allein für Danzig.
Natürlich gehen wir auch zur Danziger Werft und zum Gewerkschaftshaus Solidarność. Sehr geschichtsträchtig!

Am frühen Abend geht's auf den unweit außerhalb Danzigs gelegenen Campingplatz, den wir für zwei Nächte buchen. Wir sind in Sopol an der Ostsee, die Danziger Werft vielleicht sechs Km entfernt und in Sichtweite. 
Der Campingplatz ist durch ein breites rotes Asphaltband (nur Rad- und Fußweg) und einem hohen Zaum getrennt. Dahinter ist Sandstrand pur - und die Ostsee. Viel Radverkehr und abends viel Fußvolk, die promenieren, mit und ohne Hund. Hier begegne ich interessanten Menschen und komme mit ihnen ins Gespräch. Es werden sehr anregende Themen gestreift, die uns alle angehen. 

Sopol ist das Sight-seeing Highlight nicht nur für Touristen. Die Promenade zieht sich über viele Km am Strand lang, die Leute rollern, skate-borden, joggen, promenieren, kehren in die zahlreichen kleinen und größeren Futterbuden, Cafés und Restaurants ein. Es ist schrill, bunt und alles sehr lebendig. Dafür, dass nun keine Saison mehr ist, ist hier reichlich viel los.

Wir machen eine große Runde durch Sopol. Es gibt viele, viele alte Häuser, ehr kleine Villen in den vielen kleinen Sträßchen. Die meisten kommen aus der Zeit zwischen 1880 bis etwa 1930, wenn man den Schriftzügen und den in Stein gehauenen Jahreszahlen Glauben schenken kann. Davon wirken einige staubig glanzlos bis nicht gepflegt, weitere sind bestens saniert und wiederum einige sind im Sanierungs- und Werterhalt-Staus.
Man kann sich richtig gut vorstellen, wir man hier vor über hundert Jahren auf sehr schöne Art gelebt und gewirkt haben mag. 
Der mit über fünfhundert Meter in die Ostsee ragende Boardwalk ist natürlich auch hier.


Schöne Aussicht auf die Marienburg beim Mittagessen
Schöne Aussicht auf die Marienburg beim Mittagessen

Weiter geht's nach Marienburg, heute Malbork und liegt etw 60 Km landeinwärts. Mit Blick auf die größte Backsteingotik überhaupt, wo der Deutsche Orden seit dem 12. Jahrhundert wirkte, finden wir am Ortseingang einen sehr schön angelegten Campingplatz, der mehr Parkcharakter hat. Sehr gefällig.
Kaum fahren wir auf das Gelände, kommt ein älterer Herr auf uns zu und spricht uns freundlich auf deutsch an. Dann sieht er das Kennzeichen und spricht in französisch weiter. Cool! Wir zahlen direkt um die 18 € in Zloty ("all inclusive") und haben freie Platzwahl. Dabei empfiehlt er uns ein Restaurant direkt am Fluss Nogat und versichert uns fünf Prozent Rabatt, sollten wir dort einkehren wollen.
Eigentlich wollten wir nicht, aber angesichts der Mittagszeit und des tavernenartigen Anbicks taten wir es doch. Wir waren zunächst die einzigen Gäste. Ich dachte schon, ohje. Aber wir sollten es nicht bereuen. Allerbester Fisch wurde serviert mit allem drum & dran. Herrlich! - Als wir gingen, waren reichlich mehr Leute dort.

Wir haben die irrsinnig große Marienburg zwar fotografiert, aber die ist so groß; die bekommt man nicht gescheit auf ein Foto.
Gegen 15 Uhr hätten wir diese gerne besichtigt, wohlwissend, dass man dafür Stunden braucht. Aber man sagte uns, dass es heute nicht mehr ginge. Warum auch immer. Aber eben ein Grund mehr, nochmal wiederzukommen. Die Marienburg ist mächtig geschichtsträchtig und eine Rückkehr ist allein deshalb schon lohnenswert.


Schöner geht's kaum
Schöner geht's kaum

Nach diesem schönen Aufenthalt in Malbork fahren wir heute, wir haben Donnerstag,  nach einem Spaziergang, einem Bad (Hund im See) und ausgiebigem Frühstück (wie immer!) in den Park Krajobrazowy Mierzeja Wislana, vielleicht einer der schönsten Regionen und mein persönlicher Höhepunkt unseres Urlaubs. Damit begeben wir uns nah an die russische Grenze.
Wir möchten zwei Tage auf einem C-Platz stehen, von wo aus wir alles mit Fahrrädern erkunden. Und wir haben einen hervorragenden Platz im Nadelwald nah an der Ostsee gefunden. Der Platz ist ein Familienbetrieb, die Saison gelaufen und alles geht gemächlich seinen Gang. Die Chefin spricht einige Worte deutsch. Da wir kurz vor Mittag angekommen sind, können wir den Tag noch wunderbar ausnutzen.
Nach dem "Einchecken" machen wir uns per pedales in den Ort Krynica Morska und finden eins von wenigen geöffneten Restaurants und essen Fisch. Was sonst! Restaurants gibt es derer viele, aber das Ende der Saison lässt viele verständlicherweise schließen. Und die geöffneten profitieren umso mehr, denn es ist sehr gut besucht. Derweil sitzen wir in der Sonne, genießen das Essen und freuen uns auf die bevorstehende Radtour. Wir haben immerhin Ende September und wir befinden uns reichlich nordöstlich in Europa. Dafür haben wir einfach tolles Glück mit dem Wetter.

40 wunderschöne Km
40 wunderschöne Km

Wir fahren an dem Zentral Baltic See entlang, links der Ort, wo wir campen und kommen nach einigen Km direkt an das Sperrgebiet. Betreten verboten, per Schild wird vor harten Gefängnisstrafen gewarnt. Die eigentliche Grenze, wo Russland beginnt, liegt etwa 200 Meter dahinter. Patroulie durch die Grenzposten finden übrigens mit netten Ford Explorer statt.
Dann schieben wir links lang über die Düne und sind auf dem Strand an der Ostsee. Unglaublich schön!
Hier verweilen wir gänzlich allein bei völliger Ruhe und Abgeschiedenheit. Dann geht's durch den Nadelwald zurück nach Krynica Morska und haben noch einiges durch schönstes Ostseegebiet abzustrampeln. Der Waldweg ist hier schlaglochfrei fein geschottert und sehr fahrradfreundlich.

Und weil der Tag so schön und diese Region so beeindruckend gewesen ist, hier ein paar Impressionen.


Freitag, 29. Sep.

Heute fahren wir in die andere Richtung, am Strand und gleichzeitig die meiste Zeit im Nadelwald, natürlich mit den Rädern.
Ohne viel Worte hier noch ein paar Bilder.

Samstag

Bevor wir uns von diesem schönen Ort verabschieden, gehe ich mit Hundi nochmal zur Ostsee an den Strand. Es soll heute bedeckt werden und leicht regnen. Wir haben ordentlich Wind. Und tatsächlich: die Wellen schlagen gut einen Meter hoch und das Meer sieht bedrohlich anziehend aus. Selbst Nestor hat Respekt vor Wellen und der Lautstärke des Windes, aber Lust & Laune und seine Disziplin, den Ball aus den Wellen zurückzuholen, ist stärker. Hund wie Herrchen sind begeistert. Ein schöner Abschluss von der Ostsee für dieses Mal.


Wir machen uns nun auf von unserem Camp in Krynica Morska, fort vom Nationalpark vor der kurischen Nehrung, unweit von Königsberg, heute Kaliningrad fahren nach Frauenburg, heute Frombork, der Geburtsstadt des Nikolaus Kopernikus. Das ist der Mann, der um 1540 der Welt erzählt hat, dass die Erde keine Scheibe ist, sondern diese sich um die Sonne dreht und überhaupt ein Planet sei. Und die Kirche nahm immer an und vertrat die Ansicht, man würde von der als Scheibe gedachten Erde fallen, sollte man versuchen, das Ende zu erreichen, und ins Fegefeuer runterfallen. Also bekam er viel Stress mit den Katholiken.


Natürlich gibt es in Frombork ein leckeres Fischrestaurant direkt am Haff, dessen Besuch wir uns natürlich nicht verkneifen. Es hat Zander und Steinbutt gegeben. Die Speisekarte war einerseits umfangreich, weil viel angeboten, andererseits prägnant gehalten, da kein Geschwafel, sondern nur kurz und knapp die Fischarten benannt werden. Und alles dreisprachig: polnisch, deutsch, russisch. Nix weiter. Die Kommunikation klappte aber diesmal in astreinem Englisch.
Man, iss dat schön.


Weiter geht's nach Masuren und schlagen unser Nachtlager an einem See in unmittelbarer Nähe der Wolfsschanze auf, dem damaligen Führerhauptquartier nah an der heute russischen Grenze. Es ist stockdunkel nach Sonnenuntergang, der hier eine knappe Stunde früher stattfindet als in unseren heimischen Gefilden. Und irgendwie mutet alles ganz schön mulmig an.

Die Polen haben aus dem damaligen Hauptquartier ein Informationspunkt gemacht und ist in polnisch und englisch gehalten. Wir sind einerseits sehr neugierig auf die geschichtsträchtige Stätte, wo Graf von Staufenberg am 20. Juli 1944 das Attentat auf den Führer des Verderbens verübte. Anererseits ist es aber ganz schön dunkel hier - und gruselig. Wir werden sehen. Morgen lassen wir unseren MiniCamper jedenfalls hier stehen und fahren mit Rädern hin, so unser Plan. Fürs erste Gute Nacht.


Sonntag, 1. Okt.

Keine 80 Meter von unserem Nachtplatz ist ein Bunker. Ein reiner Beobachtungsposten, wie es scheint. Den haben wir erst bei der Morgenrunde mit dem Hund bemerkt. Sehr effektiv getarnt. Und begehbar und dunkel wie die schwärzeste Nacht ist er auch. Ich hole meine Funzel aus dem MiniCamper und schicke dann den Hund vor. Der hat aber keinen Bock und geht, wenig motiviert, voran. Als ob er es geahnt hatte: es gibt einen abgewinkelten Raum vom Eingang. Keinen Keller oder unterirdischen Gang. Das wars. Aber Herrchen & Frauchen waren äußerst skeptisch. Sicher ist sicher.

Dann aber ab zur Wolfsschanze. Diese erreichen wir schnell (sind doch direkt mit Camper hin) und zahlen einen kleinen Eintritt. Wir hätten sogar im Führerhauptquartier einen Stellplatz für Camper mit Stromanschluss bekommen können. Unglaublich!

Kurz vor Kriegsende versuchten die Nazis, die Bunkeranlage (über 50 Bunker!) zu zerstören. Die bis zu acht Meter dicken Betonwände waren aber nicht zerstörbar. Nicht nur deshalb entschied man sich im späteren Polen für eine authentische Dokumentation. Ich finde, diese ist unaufdringlich, informativ und gelungen. Und sie ist in vier Sprachen begleitet: polnisch, englisch russisch und deutsch. Ein Besuch ist sehr empfehlenswert und die letzte Halle mit zivilen Opferzahlen und Verlusten, dem Wahnsinn des Aufstands im Warschauer Ghetto und dem Befehl, diesen "rücksichtslos niederzuschlagen und keine Gefangenen zu machen" mit dem originalen Befehl und Bekanntmachung (Plakat) ist auch heute noch im höchsten Maße verstörend.

Wir fahren nach zweieinhalb Stunden Lagepeilung im "Führerhauptquartier" ins nahegelegende Rastenburg, heute Kętrzyn und finden zwei typisch polnische gepflegte Restaurants. Im einem dürfen wir nicht mit Hundi rein (dann wolln wir sowieso nicht!). Im anderen haben wir sonntäglich sehr gut gegessen (es gab Ente mit kleinen Klößen und lecker Salat und Soße; danach ein wunderbarer selbstgeachter Kuchen mit Sahne und Früchten und einen Kawa). Oh man - wie früher bei Muttern. Dreimal Daumen hoch!


Wir fahren weiter von Nord Richtung Süden zur masurischen Seenplatte und suchen in dieser gewaltig schönen Landschaft mit viel Wald und gewaltig großen Seen einen Campingplatz. Wir fahren gute 20 Km über eine breite Schotterpiste durch einen Nadelwald. Gänzlich allein. Milde Temperaturen über 20° am Nachmittag und werden auch fündig, aber leider haben alle Campingplätze gerade dichtgemacht. Anfang Oktober verirrt sich halt fast niemand mehr hierher. Sehr schade.
Wieder die Schotterpiste zurück wollen wir angesichts der nahenden Dunkelheit nicht, da wir nur relativ langsam fahren können (40 Km/h). Somit entscheiden wir uns, den nächsten Campingplatz anzusteuern, den wir etwa 60 Km außerhalb des Seengebiets ausfindig gemacht haben.
Dieser ist bei Myszyniec-Wydmusy und ist ein riesengroßes Freizeit-Areal. Er bietet alles, was viele Familien und Urlauber gerne mögen: Platz satt, einen See, ein Landhotel, Tennisplätze, Kletterareale und dergleichen mehr. Dennoch mache ich vielleicht nur um die zwanzig Stellplätze für Camper aus. Egal - der Platz hat geöffnet und wir sind die einzigen Gäste. Kaum zu glauben; das hat schon wieder was. Und wir sind noch bei Helligkeit angekommen. Und sommerliche Temperaturen
(Hier in Masuren geht die Sonne übrigens etwa eine Stunde früher unter, um am nächsten Tag schon etwa eine Stunde früher aufzugehen als bei uns zu Hause; diese Tage um etwa 18 Uhr ).
In tiefer Dunkelheit gegen 20 Uhr kommt noch ein Caravaner. Man glaubt es nicht. Es ist alles frei, aber was macht der? Der stellt sich gleich dicht neben uns, als ob kein anderer Platz frei ist. Ttsszz ...


Dienstag, 3. Okt.

Ein sonniger Morgen. Reichlich sommerlich und schön für Oktober. Wir lassen uns Zeit mit dem Frühstück, beschließen am Nachmittag in Warschau einen Fordhändler aufzusuchen, der sich der Bremsanlage des Transit annimmt. Zuvor machen wir eine Runde mit Fahrrädern und Hund um den See. Nestor lässt es sich nicht nehmen und geht schwimmen. Einfach herrlich die Ruhe. Man kann nicht glauben, dass wir uns im Herbst befinden.

Weiter geht's nach Warschau. Nach einer sehr, sehr verkehrsreichen vierspurigen Autobahn und durch die Stadt, haben wir endlich einen Fordhändler gefunden, der für morgen einen Termin geben konnte für die Überprüfung und Austausch von Bremnsbelegen, Bremsscheiben & Co. Die Verschleißanzeige macht seit zwei Tagen einen Larry, aber die metallischen Geräusche, die von hinten rechts kommen, meldeten sich schon vorher. Dann wollen wir mal hoffen, dass der große Fordhändler (fünf in Warschau!) uns tatsächlich helfen wird. Der erste hatte nämlich keine Termine frei.

Auch in Warschau ist es sehr warm und windig. Und wir haben einen Parkplatz für die Nacht etwa 12 Km außerhalb des Stadtzentrums an einem See im Grünen. Macht alles einen angenehmen Eindruck.


Mittwoch, 4. Okt.

Temperatursturz. Morgens 10° und die höchste Temperatur soll heute nicht über 16° gehen. Na, endlich Herbst. Es regnet nicht und es ist echt herbstlich. Man kann den Herbst, das Laub, buchstäblich riechen. Ich liebe es!
Wir sind überpünktlich beim Fordhändler, lassen das Fahrzeug da und begeben uns mit Rädern ins Zentrum Warschaus. Warschau hat eine Altstadt mit schönen Häusern, die alte Ghettomauer, und Gedenktafeln, die an den Aufstand im Warschauer Ghetto erinnern. Allerdings ist leider wirklich das Meiste durch den Krieg zerstört gewesen. Drum gibt es auch einen gänzlich neu aufgebauten Stadtteil mit mächtigen Hochhäusern, die stark an Westend von Frankfurt am Main erinnern. (Aber den Teil haben wir nicht besucht.)
Viele Schulklassen sind unterwegs und andere Touristen. Ein älteres französisches Ehepaar hört uns französisch sprechen. Man kommt ins Gespräch. Sie beklagen die sprachlichen Schwierigkeiten. Niemand spreche französisch. Ich schüttel innerlich nur den Kopf ob so naiver Sichtweise. Wir lassen durchblicken, dass wir kein polnisch können, aber etwas englisch, zuweilen auch deutsch helfe uns immer. Tja, so ist das, wenn man nicht gewillt ist, eine andere Sprache als die eigene zu akzeptieren.
Mittags gehen wir in ein polnisches Restaurant. Achtung: in der Innenstadt gibt es zahllose Restaurants. Da werden wir wählerisch und lassen uns Zeit. Zunächst scheinen wir gegen 13 Uhr die einzigen Gäste. Aber Essen, Qualität und Service sowie später weitere (polnische) Gäste bestätigen unseren richtigen Riecher. Auch wenn das Restaurant schwere Tapete, Fenstervorhänge, massige Gardinen und schweres Mobiliar aufweist (echt "Biedermeier") hat. Oder gerade deswegen.

In Warschau kann man prima Fahrrad fahren, auch wenn wir häufiger den Weg mit Fußgängern teilen müssen. In den großzügigen Parks gibt es immer auch öffentliche Toiletten (meist mobile Platikklos). Aber immerhin. Wir machen eine Stippvisite beim Königspalast

Es gibt zahlreiche Kirchen. Wir besuchen einige, aber längst nicht alle. Verschiedene Religionen: katholisch, katholisch-orthodx, russisch-orthodox, protestantisch.

Wir haben schon wieder Spätnachmittag und holen unseren Transit ab, zahlen stattliche 4.361 Zloty für die Bremsanlage der Heckachse (Belege, Bremsscheiben, ein Bremszylinder) und bedanken uns nochmals für die schnelle unkomplizierte Hilfe. Wenn es das ältere Ehepaar so getroffen hätte, hätten die wahrscheinlich noch älter ausgesehen. Wir kamen mit englisch unmissverständlich, also problemlos weiter. Ein herzliches Dankeschön nochmal an Ford Grupa PGD, OMC MOTORS WARSZAWA!

Somit geht's weiter Richtung Lodz ("Theo, wir fahr'n nach Lodz") und finden einen ruhigen Parkplatz in Stryków, unweit von der drittgrößten Stadt Polens, natürlich wieder an einem schönen See. Wir haben einen schönen Abend und lassen unsere Eindrücke aus Warschau noch mal Revue passieren und freuen uns abermals, dass die Reparatur so reibungslos geklappt hat


Donnerstag, 5. Okt.

Bei meiner ersten Runde mit Nestor durch den Park am See kommen wir an einer Holzfaßsauna vorbei. Wie cool ist das denn?! Eine Sauna mitten auf dem Rasen, die man nach vorheriger tel. Anmeldung nutzen kann. Stark!
Dann gibt es Kawa und Brötchen & Brot. Die Brötchen schmecken in Polen absolut lecker und finden diese in ihrer Qualität zum Teil deutlich leckerer als vieles, was man in D so kaufen kann.
Nach dem Frühstück fahren wir durch die riesige Stadt. Wir machen keinen Stopp, weil wir uns entschließen, Breslau den Vorzug zu geben mit einer ausgiebigen Besichtigungstour und einer Übernachtung; denn auch unser Urlaub ist zeitlich leider begrenzt.
Wir sehen viele Bauarbeiten an einer neuen Straßenbahnlinie (vielleicht auch U-Bahn oder überhaupt ein Straßenbahnschinennetz). Es gibt viele Wohnhäuser und typisch "Ostblockhäuser" grau in grau, zum Teil sehr schlechte Straßen. Man hat, wie vielerorts nicht nur in Polen, kopfsteinbeschaffende alte Straßen häufig einfach nur mit einer Asphaltdecke überzogen. Das geht wenige Jahre gut, schreit aber bald wieder nach Ausbesserung. Und diese ausbesserungsbedürftigen Zustände haben wir auf unserer Durchfahrt durch Lodz gespürt. Lodz selbst war eine stark industriell geprägte Stadt und hat - früher wie heute - vor allem kulturell sehr viel zu bieten und ist gerade dafür bekannt. Aber vielleicht bei einer anderen Reise nach Polen mehr darüber ...

Gruselcamping - bloß nicht!
Gruselcamping - bloß nicht!

Wir kommen nach Breslau. Diesmal wollen wir mal wieder einen Campingplatz, um buchstäblich wieder aufzutanken, nämlich Strom für die dicken Batterien und Trinkwasser und für das Duschen. Ein zentral bei einer Sportanlage gelegener Campingplatz hat leider schon geschlossen. Sehr zentrumsnah gelegen und daher besonders schade.
Wir finden aber einen camping municpal, der privat betrieben wird. Ein Widerspruch in sich selbst. Entweder privat betrieben oder durch die örtliche Gemeinde- oder Stadtverwaltung. Egal. Der hat geöffnet und wir nix wie hin. Ein eisernes Tor öffnet sich wie durch Geisterhand, das Viertel sieht heruntergekommen und ungepflegt aus. Keine zehn Minuten später verlassen wir den Ort der unverschämten Abzocke wieder. Die Frau spricht gebrochen englisch. Obwohl laut Schild Hunde verboten sind, sagt sie, kein Problem. Na gut. Dann nennt sie den Preis: 175 Zloty für uns. Bei nur einer Übernachtung kämen nochmal 50 Zloty hinzu. Wir lehnen dankend ab, setzen uns in den Transit und verlassen die Stätte der unersättlichen Gier schleunigst. Das wären etwa 49 € für eine Übernachtung in einem schäbigen schmuddeligen Stadtteil auf einem ähnlich schmuddeligen Campingplatz. - Wir haben auf guten sauberen und hervorragend ausgestatteten Campingplätzen mit allem drum & dran um die 20 bis 24 gezahlt. - Hier wollte man mehr als das Doppelte für nichts. Man kann's ja mal versuchen.

Wir fahren also auf einen preiswerten Parkplatz im Zentrum Breslaus und erkunden die wunderschöne Metropole Niederschlesiens und sind wie so oft in diesen Wochen begeistert.
Begeistert von der Vielfalt der verschiedenen Kirchen und -stilen, der kulinarischen Angebote (logisch!) und der Warmherzigkeit der Polen. Mehrere interessante Gespräche auch heute wieder bei unserem Stadtbummel mit Einheimischen.

Zum Übernachten fahren wir etwas weiter und finden bei Boleslawiec einen Parkplatz an einem Gemeindehaus bzw. Dorfgemeinschaftshaus mit Spielplatz und einem Tennisplatz. Ein Camper aus der Schweiz hat sich dort schon eingefunden. Ruhig, aber die ganze Nacht blieb die extrem helle, flutlichtartige Beleuchtung eingeschaltet. Warum dort keine Zeitautomatik zum Einsatz kommt, weiß vermutlich nur der Geier


Freitag, 6. Okt.

Wir kommen kommen nach Görlitz, schauen uns aber nicht die deutsche schöne Grenzstadt an, sondern Zgorzelc gegenüber. Unser letzter Urlaubstag in Polen. Wir entdecken den permanten "Polenmarkt". Dort kann man Taschen, Klamotten, Essen usw. kaufen. Auch wir werden fündig und nehmen Honig vom Imker. Unser Mittag ist ein typischer Imbiss, wo wir verschiedene kleine Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen essen. Schon wieder sehr lecker.

Irgendwann gehts dann doch Richtung Plauen. Ziel: Campingplatz Talsperre Pöhl. Wir kommen am Nachmittag an und ich mache eine Runde per Rad mit dem Hund. Wir haben schönes, aber frisches Herbstwetter und umrunden die riesige Talsperre nicht, weil die viel zu groß ist. Acht Km reichen, Hundi badet, wir haben viel Spaß & kehren kurz nach Sonnenuntergang zurück.
Immer noch voll im Urlaubsmodus, kann ich gar nicht glauben, dass wir morgen die letzten 570 Km bis ins Elsaß fahren.


Unser Urlaubsfazit in Stichworten

  • Top ausgebaute Autobahnen
  • Viele Windparks, vor allem, aber nicht nur in Küstennähe. Und Solarfelder
  • Freundliche zugewandte Menschen und offen für Gespräche, soweit es die Sprache zulässt
  • Fröhlich und weltoffen
  • Typisch europäische Innenstädte (und Ortschaften) mit auffallend wenig, um nicht zu sagen null Ausländeranteil aus muslimisch geprägten Ländern. Wirkt sehr beruhigend und angenehm. Man kann sehr schön den "eigentlichen Normalfall" von Städten und ihren Bewohnern erkennen
  • Demzufolge keine "Brennpunkte" zB. an Bahnhöfen etc.
  • Als Tourist bekommt man ein lange vermisstes Sicherheitsgefühl. Ja, Geborgenheitsgefühl
  • Speisen in Restaurants bezahlbar und im Preisniveau spürbar niedriger als in D
  • Eine leckere wie tolle Küche. Unter anderem kann ich Bigos unbedingt empfehlen. Weltklasse!
  • Tankstellen halten kioskartig diverse Alkoholika parat, insbesondere Spirituosen
  • Kraftstoffpreis etwa 50 Cent pro Liter niedriger als in D
  • Hunderte Km satte lange saubere Sandstrände an der Ostseeküste
  • Campingplätze kosten etwas weniger als in D. Teilweise deutlich niedriger. Preisstaffelungen nach "Vor- Haupt- und Nebensaison" haben wir nirgends feststellen können.

Polen ist mehr als eine Reise wert. Wir haben jeden Tag genossen. Für September und Oktober hatten wir traumhaftes Wetter. Es hätte auch sehr herbstlich sein können. Da die Saison vorbei war, hatten viele Campingplätze schon geschlossen. Mit dem Transit Custom haben wir mehrheitlich immer mehrere Tage frei gestanden, was uns dank großem Wasservorrat und eigener Toilette an Bord Unabhängigkeit garantierte.
Auf Parkplätzen und an Seen konnten wir diskret und weitgehend unauffällig stehen. Spaziergänger oder andere Leute (Polizei) haben dies respektiert. Wie dies im Sommer ist, können wir mangels Erfahrung nicht sagen. Aber dann kann man ja auch auf Campingplätze, weil sie dann geöffnet haben
Unsere Urlaubsreise nach und durch Polen hat unere Sehnsucht geweckt. Wir werden wiederkommen 🚙


Munter bleiben
Brehjean - Das bessere Tagebuch