Pyrenäen - Wandern im Oktober

12.10.2022

Samstag, 1. Oktober

Es geht los. Gegen halb neun noch zur Boulangerie & zur Tanke und dann auf die Bahn.

Mein ursprünglicher Plan, Freitag loszufahren, haute nicht hin, weil ich doch noch einiges mit meiner neuen, selbst zusamengezimmerten kleineren Staukiste zu tun hatte. Die wollte ich aber unbedingt fertig haben, weil ich mit den neuen Maßen erheblichen Platz für den Hund gewinnen kann. Und wenn ich auf der Reise nur irgendwo parken und übernachten muss, bin ich dann nicht auf einen C-Platz angewiesen. Das so erforderliche Heckzelt macht unauffälliges Nächtigen nämlich unmöglich.
Es ist alles nach meinen Vorstellungen geworden; auch, wenn ich mich einmal im Maß vertan hatte. Details lasse ich jetzt mal weg. Aber die Staukiste entspricht meinen Vorstellungen und ist ernorm stabil.

Die ganze Woche war das Wetter schon durchwachsen und eher schlecht. Die Tagestemperaturen liegen bei sagenhaften 12°. Unfassbar!Ich schaue noch beim Frühstück um 7 Uhr, wie wohl die Temperaturen in den Höhen der Pyrenäen sind: 0°. Oha. Dann noch die Babourjacke eingepackt und meine warme Strickjacke. Meine Heizkiste, hatte ich längst entschieden, bleibt zu Hause. Kneifen gilt auch nicht, denn heizen wird dennoch nicht nötig sein. Die 0° sind frühmorgentliche Angaben auf 2400 Meter Höhe. Ich bleibe bei 1100 bis 1500 Höhenmeter. Also los.

Im Eichenwäldchen im verschlafenen Montfaucon
Im Eichenwäldchen im verschlafenen Montfaucon

Es rollt sich gut. Ich fahre tatsächlich 751 Km am Samstag. Alles grau, diesig und verregnet. Überall in Frankreich. Auch im Süden. Den Tempomat auf moderate 110 Km/h eingestellt, bin ich trotz des tristen Wetters gut und entspannt vorangekommen. Aber das mit dem Wetter, das kann ja heiter werden, denke ich immer mal wieder. Gegen 18 Uhr finde ich einen sehr geeigneten wie schönen Platz zum Parken an einem Teich am Rand eines alten Dorfs. Eingefasst ist dieser von Eichenbäumen.

Blick aus dem "Wohn- u. Schlafzimmer"
Blick aus dem "Wohn- u. Schlafzimmer"

Der sehr niedrige Wasserpegel des Dorfteichs zeugt noch von der enormen Hitze und Dürre auch in dieser Region. Trotz des Dauernieselns. Bei dem Rotzwetter werde ich wohl keine Wanderer oder Radsportler antreffen. Schließlich ich bin gespannt, wie der neue Platzgewinn für Hundi sein wird. Ist natürlich auch blöd: da ist Nestor den ganzen Tag im Auto und muss dann noch die Nacht dort drinnen verbringen. Bestimmt nicht lustig. Ich entschließe mich für einen möglichst großen Spaziergang und es wird ordentlich die Frisbeescheibe genutzt. Irgendwann also wird's dann aber Zeit und wir gehen schlafen. Und was soll man sagen: es ist wirklich gut gegangen. Die neue und in der Breite deutlich kleinere Staukiste erfüllt genau den Zweck des spürbaren Platzgewinns für das Hundenachtlager.


TaTaTa...Taaaa

Am 1. Oktober 2022 hat mein Tourneo Grand Connect die ersten 100.000 Kilometer auf dem Tacho. 
(Mein Tacho geht übrigens stets 4 Km/h linear vor. Das heißt, zeigt er mir zB. 50 Km/h an, fahre ich real 46 Km/h. Zeigt er 54 Km/h an, fahre ich real 50 Km/h. Ebenso entsprechend bei 30, 70 oder 100 Km/H. 
Meines Wissens ist dies bewusst von diversen Herstellern so "voreingestellt".


Sonntag, 2. Oktober

Acht Stunden Schlaf, ein kurzer Gang in der Frühe in Dunkelheit, dann Kaffee & Frühstück (und sogar eine morgentliche Dusche) lag noch drin. Dann alles verstaut und noch ein paar Kilometer mit dem Hund gelaufen und dann weiter. Es regnete am Morgen nicht mehr. Es war grau mit einer Tendenz zum Freundlichen hin. Etwa 50 Km vor Toulouse lies sich die Sonne blicken und die trüben 16° stiegen auf 22°. Das lässt hoffen.

Der Sonntag entpuppt sich zum Mittag als sonniger Tag - Sonntag halt. Gänzlich wolkenlos blauer Himmel dann in den französischen Pyrenäen. Gegen 14:00 fahre ich, fast allein unterwegs auf der Straße, über die Grenze und rolle gute 20 Km bergab und lasse uns die spätsommerliche Luft durch alle ganz heruntergelassenen Fenster wehen. Ziel für die kommenden zwei Nächte ist der C-Platz Camping Peña Montañesa, vielleicht 40 Km von der Grenze entfernt. Diesen riesigen C-Platz bei Ainsa hat sich mein Freund ausgesucht. Er hat sich mit seiner Frau ein reichlich dickes & modernes Reisemobil gemietet und durchfährt damit die Pyrenäen vom Mittelmeer zum Atlantik. MiniCamper trifft MaxiCamper sozusagen. Während die beiden mit ihrem Hund eine buchstäbliche Reisetour mit MegaMobil machen, ist meine Woche eher eine reine Wandertour, wo ich in der Region bleibe, wie ich sie letztes Jahr im September schon mal machte. Diesmal mit dem Ziel, andere Wege und einen anderen Berg, nämlich den Monte Perdiodo (der verlorene Berg) mit seinen 3348 Metern Höhe ziemlich anspruchsvoll. Dass ich meine Freunde dort treffe, ist fast zufällig. Lediglich Reisezeit und die Pyrenäen ganz allgemein war uns klar, als wir vor einigen Wochen darüber sprachen. Irgendwie dann logisch, dass wir mindestens ein Treffen realisieren wollten. Somit gesagt - getan.

Der heutige Sonntag ist denn auch ein reiner (An)reisetag mit schönem Spaziergang am fast ausgetrockneten Barranco del Royo. Aber wo er Wasser führt, ist dieses kalt und mit enormer Strömung. Das hält meinen Hund Nestor keineswegs davon ab, von selbst unaufgefordert da reinzugehen.
Zwischenzeitlich rollen die Freunde mit ihrem Riesenmobil an und müssen damit auf einen Platz ohne Höhenbegrenzung (Bäume) und können nicht unter den knuffigen Bäumen campen, die noch relativ viel grünes Blattwerk tragen, da, wo ich stehe. Der Junge von der Reception kommt zu mir und sagt, dass meine Amigos angekommen sind. Na denn.
Die Freude ist groß, dass Wetter schön und Bar / Restaurant geöffnet und unser Appetit ist auch ohne Wanderung da und somit gehen wir schön & spanisch essen. Es ist kaum was los auf dem C-Platz, der ganzjährig geöffnet hat. Das gefällt uns. Dass dennoch die Restauration geöffnet hat, ist umso besser. Das Essen ist gut und lecker. Dort spricht man nur spanisch, fast kein englisch, kein französisch oder deutsch (außer an der Rezeption; die Spanierin spricht fließend französisch).

Barranco del Royo. Schöne Aussichten
Barranco del Royo. Schöne Aussichten

Montag, 3. Oktober

Mein Freund und ich machen mit den Hunden eine Tagestour durch einen Teil des Cañón de Añisclo, wo unten der Rio Aso fließt. Seine Frau möchte mal einen ganzen Tag Ruhe haben und freut sich, mal nix zu tun. Auch nicht fahren oder wandern.

Beeindruckende Formationen
Beeindruckende Formationen

Wir wandern etwa 11 Km bei bestem Sonnenschein und schwitzen reichlich. Wir staunen über die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Bergwelt, Adler und Schluchten. Mehr als einmal geht uns die Puste aus, die uns zum Pausieren zwingt. Natürlich haben wir was zum Essen dabei und in dieser Atmosphäre schmeckt alles nochmal besonders gut. Die Hunde laufen, tollen rum und gehen schwimmen, wenn wir unten im Tal in Flussnähe sind, als wäre die gesamte Wanderung null Anstrengung für sie. Was sind wir Menschen doch für Schwächlinge im Vergleich dazu, denke ich manchmal.

Abends fahren wir zwangsläufig eine andere Strecke zurück durch sagenhafte Landschaft. Der Weg durch den Cañón ist, obwohl eingangs nicht als solche gekennzeichnet, eine Einbahnstraße. Uns wunderte es, dass uns niemand auf der langen Strecke niemand entgegen kam.

 Die kurvenreiche und lange Straße ist an manchen Stellen schon recht schmal. Man darf davon ausgegangen sein, dass es früher so manches Verkehrschaos wegen Gegenverkehr gegeben haben mag. Es geht nochmal ins Restaurant des Campingplatzes und essen alle Paella. Nach diesem Tagesausklang geht's dann in die gute alte Koje mit schweren Knochen und schönen Impressionen der ersten Wanderung in den Pyrenäen.


Dienstag, 4. Oktober

Wir frühstücken gemeinsam in der frühherbstlichen Morgensonne Spaniens. Danach rafft jeder seine sieben Sachen zusammen, ich gehe zahlen: 52,90 für zwei Übernachtungen, ohne Strom. Das finde ich etwas happig. Aber, nun ja.Dann brechen wir nahezu zeitgleich auf: meine Freunde nach Pamplona und ich mit meinem Vierbeiner nur schlappe 45 Km weiter, nach Torla-Ordesa.
Wir verbleiben also im Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido und nehmen auf dem kleinen Camping Rio Ara einen schönen Platz ein. Natürlich wieder ohne Strom. Der Platz erweist sich als solargünstig. Dort fällt ab etwa 10:30 Uhr bis zum frühen Abend Sonnenschein satt auf mein Solarpanel, was ich auf dem Dach meines Tourneo platziert habe. Damit wird meine Batterie versorgt, die wiederum direkt meine Kühlbox speist. Das funktioniert die drei Tage meines Aufenthalts dort problemlos.

Am Nachmittag gehe ich gute vier Km am Rio Ara entlang. Sagenhaft schönes Panorama! Es geht teilweise steil bergauf. Ein Rundweg liegt zu dieser Uhrzeit nicht mehr drin. Dazu hätte ich morgens früh starten müssen und dann auch besser vom sieben Km entfernten Ordesa Parkplatz. Somit werden es schöne acht Km und reicht uns auch für heute. Die Wanderung von gestern spüre ich noch ganz gut. Wieder zurück am Platz gibt es Futter für Nestor und Abendbrot für mich. Gegen 19:45 ist es dann schon fast dunkel und weitere eineinhalb Stunden später hat uns die Koje meines MiniCampers in ihren Bann gezogen. Hier auf dem C-Platz habe ich das Heckzelt im Einsatz. Hundi schläft da drin, kann aber auf den eigens für ihn geschaffenen Platz in den Camper. Das klappt alles ohne jegliche Probleme. Mir ist wichtig, dass er seine beiden Plätze kennt und akzeptiert. Er darf niemals auf meinen Schlafplatz, was er auch respektvoll nicht wirklich versucht.


Mittwoch, 5. Oktober

Wasser kann ja sooo wundervoll schmecken!
Wasser kann ja sooo wundervoll schmecken!

Heute kaufe ich mir eine Wanderkarte für die Region, die ich direkt im Supermercado des kleinen Campingplatzes bekomme. Für das reine Wandern wäre sie nicht unbedingt nötig, da die Wege hervorragend ausgeschildert sind. So mache ich mich am Vormittag auf nach Ordesa. Die ganze Schose geht gut bergauf und bergab und ich bin froh, mittags dort angekommen zu sein. Von dort aus gehen einige Wanderwege in verschiedene Richtungen. Davon hat es jeder in sich. Denn bei genauem Hinsehen entpuppen diese sich als lang und zT. steil bargan, so dass ich gar nicht daran zu denken brauche, heute noch einen davon zu begehen. Ist mir aber auch recht. Gerne würde ich was essen gehen und gucke auf mein Händy. Das nächste Restaurant sieben Km entfernt. Was für ein Mist. Aber egal. Auch, wenn ich quasi den gleichen Weg zurückgehe, nehme ich den Weg aus einer anderen Perspektive wahr und bin nach insgesamt 14 Km wieder zurück und versuche mein Glück in Torla, dem bezaubernden kleinen Ort, wo auch mein Campingplatz vielleicht einen Kilometer entfernt liegt, der sehr gefällt. Häuser aus altem Stein der Region gebaut, wirken diese sehr massiv und schön. Ich treffe um 16 Uhr dort ein. Ein schönes Restaurant hat geöffnet, das ich gleich in Beschlag nehme. Ein prima Platz auf der Terrasse, eine große Flasche Wasser, ein Salat, eine Flasche Rotwein (Vino tinto á la casa, die ich natürlich nicht leere), eine Pizza mit anschließendem Postre (Nachtisch) und Café americano sind so reichhaltig und lecker, so dass ich bis zum nächsten Morgen nichts weiter essen werde. Derweil beobachte ich bei anderen Gästen, dass sie die nicht verzehrten Pizzen und Getränke (selbst Wasser) wie selbstverständlich mitnehmen. So handhabe ich es auch und gehe mit Nestor, der bis dato völlig erschöpft unterm Tisch geratzt hatte, die etwa eineinhalb Km zurück zum C-Platz. Nun wird noch der Hund mit gutem Futter und frischem Wasser versorgt und wir beide werden heute nicht mehr alt. Ein gutes Gefühl, wenn nach so einem Tag wieder die Koje des MiniCampers ruft.


Donnerstag, 6. Oktober

Ich überlege kurz, noch mal den Campingplatz zu wechseln, entscheide mich aber dafür, zu bleiben. Ich mache meinen Tourneo aber startklar, um direkt zum Ordesa-Parkplatz zu fahren, um von dort meine Tagestour zu starten. Also da, wo ich gestern hingewandert bin. Der "Ort" ist tatsächlich kein richtiger Ort, sondern bezeichnet die Region. Die Straße führt sieben Km kurvenreich und bergauf zum riesigen Parkplatz, wo hunderte Autos und Busse Platz finden. Es ist ein ganz normaler Donnerstag außerhalb irgendwelcher Ferien- und Reisezeiten. Aber es ist erstaunlich viel los. Wo kommen die nur alle her?! Eine Unruhe macht sich in mir bemerkbar. Nämlich die, dass ich mit einer Horde von etwa 13 bis 14-Jährigen netten Teenagern nicht allein sein werde, denn aus vier Mega-Bussen entströmen weit über hundert junger Leute und alle quasseln, was das Zeug hält. - Oh man!

Ich fülle noch an einem Brunnen kühles Frischwasser in meine Getränkeflaschen aus Edelstahl (eine tolle Anschaffung, die halten die Temperatur über Stunden angenehm stabil). Dabei fällt mir eine große Blockhütte auf. Oben drüber das Schild "Restaurant". Und hat geöffnet. Da schüttel ich nur noch den Kopf über die super "Intelligenz" meiner Äpp, die mir gestern, keine 400 Meter von hier, anzeigte, das nächste Restaurant sei noch sieben Km entfernt.

Was soll's! Jetzt geht's los. Nach wenigen Metern setzt sich auch der große Trupp Teenager in Bewegung, aufgeteilt in mehrere Gruppen zu vielleicht je 30 bis 40 Personen. Und nehmen den gleichen Weg wie Hundi & ich. Es geht seicht bergan neben dem Rio Arazas ins gewaltige Tal hinein. Ich schwenke kurz vorher rechts in den Wald und wähle einen Pfad, der steil bergauf geht. Dann sehe ich ein Hinweisschild, vielmehr ein Warnschild in spanisch und französisch: "Achtung. Wanderung nur für erfahrene Personen. Wegstrecke sehr gefährlich".Nun, ich denke, das bezieht sich auf das Geröll und den sehr steilen, aber gehbaren Anstieg. So gehe ich weiter und bin nach wenigen Minuten wieder meines Atems beraubt und mein Puls schlägt Purzelbaum. Nach wenigen hundert Metern habe ich bereits 120 Höhenmeter zurückgelegt. Ich halte inne, hole Luft und dann weiter. Die erste Passage lässt schon erahnen, was das Warnschild zum Ausdruck bringen wollte. Rechts Felswand, links steil bergab und der Pfad sich immer weiter verjüngend bis auf etwa einen dreiviertel Meter Breite. Keine Sicherung, Halteseil an der Felswand beispielsweise. Nestor ist fröhlich weitergelaufen, bleibt stehen, dreht sich um, kommt um die Ecke und bleibt wieder stehen, nachdem er wieder Sichtkontakt zu mir hat. Er wartet geduldig, guckt zu mir, guckt den steilen Abhang runter. Und wartet auf mich.

Ich setze den Rucksack ab, hol die Karte hervor und verfolge den Wegverlauf. Dieser geht demnach einige Km weiter, um dann irgendwo zu münden. Nur kann ich von da keinen Rundweg erkennen, nur eine Fortführung, die erahnen lässt, dass die gesamte Strecke sich auf knapp 20 Km erstreckt. Da ich die Schwierigkeitsgrade des weiteren Wegverlaufs auf der Karte nicht erkennen kann und mir immer wieder das Warnschild vor meinem geistigen Auge erscheint, wird mir weich in den Knien - und ich drehe um. Zum ersten Mal in meinem Leben drehe ich um, weil ich Bedenken bekomme -im Klartext: Muffe - habe. Ganz allein mit Hund. Nicht mal ein einziger Wanderer weit und breit. Ein Ausrutscher genügt und niemand kriegt mit, dass du irgendwo unten 150 Meter tiefer liegst. Oder Hundi.

Ich komme relativ schnell klar mit der Entscheidung und kratzt nicht ernsthaft an meinem Selbstbewusstsein. Also steige ich wieder bergab. Nestor schaut etwas ungläubig, strazt dann aber wieder voraus in die Richtung, aus der wir gerade gekommen sind. Irgendwann höre ich ein komisches Geräusch. Nestor steht an einer Spitzkehre und blickt nach vorn und wartet. Ich komme hinzu. Da sehe ich kein Reh oder Wolf, sondern eine Frau mit Wanderstöcken und megagroßem Rucksack. Sie hat wohl eine größere Tour vor sich. Sie steht wie erstarrt da, dann geht sie langsam weiter. Dann spricht sie in einer Sprache, die mir völlig fremd ist. An ihrer Erleichterung im Blick und Geste sehe ich, dass sie vor dem großen braunen Felltier, dass sie neugierig fixiert, nämlich Nestor, erschrak. Sie zieht vorbei, wir grüßen uns und gehe dann auch weiter. Dabei überlege ich noch, vielleicht doch wieder umzukehren. Wenn die das kann, da langzuwandern, dann kann ich das auch. Das aber habe ich schnell wieder verworfen. Was würde die wohl denken ... Abgesehen davon wäre eine Rückkehr auf dem selben Weg unterm Strich zu weit. Da hätte ich schon zwei Stunden früher starten müssen. Wieder unten angekommen, gehe ich schließlich den Weg, den "sie alle" gehen. Zu den Cascades, den Wasserfällen. Immer wieder begegne ich Wanderern, vor allem Familien mit Kindern im Alter um die sechs, sieben, acht Jahren. Alle gehen, wandern, plaudern oder sind still in Gedanken.

Das haben wir uns verdient!
Das haben wir uns verdient!

Die gesamte Wegstrecke verläuft auf einem breitem Waldweg, der auch von Treckern und Allradfahrzeugen befahren werden kann. Aber stets bergan. So sollte es für mich noch satte sechs Km weitergehen. Zweimal mache ich eine kleine Pause. Hundi & ich durchstreifen eine zauberhafte Landschaft mit urigen Kräutern, buntem Blattwerk des Mischwaldes und kommen immer wieder an Wasserfällen vorbei. Da, wo dann die reine Fels- und Bergwelt beginnt und von da aus es noch weitere fünf Km zu einer Hütte sind, machen wir kehrt. Nach insgesamt über 18 Km kommen wir wieder am Parkplatz an und ich gestehe, dass ich richtig geschafft bin. Meine Füsse schmerzen (meine Wanderschuhe sind wohl nicht die besten) und entschließe mich, eine schnöde Pizza grande von dem Restaurant zu ordern, wo ich gestern bereits eingekehrt war. Zurück am Campingplatz, der auf fast genau 1000 Höhenmetern liegt, wird Nestor gut versorgt, der Tourneo mit wenigen Handgriffen wieder zum MiniCamper verwandelt und dann endlich die Beine hochgelegt, Pizza und Erfrischungsbier verzehrt mit dem Gefühl, einen erlebnisreichen Wandertag gehabt zu haben. Ein bißchen Restsonne ist auch noch da - und überhaupt ist es diese Tage sehr mild. Jeans und T-Shirt sind temperaturmäßig noch völlig ausreichend. Hätte ich nicht gedacht.


Freitag, 7. Oktober

Heute treffe ich mich nochmal mit meinen Freunden. Diesmal in den Pyrenäen in Frankreich. Von hier vielleicht 70 Km entfernt. Die Frau meines Freundes feiert einen runden Geburtstag. Ehrensache, dass wir diesen gebührend gemeinsam feiern wollen.
Ich räume also auf und ab und packe alles abfahrbereit zusammen. Zahlen tue ich für drei Übernachtungen 41,10€. Also 13,70/Nacht. Und damit mal gerade die Hälfte dessen, was der andere Campingplatz verlangte. Gleiche Leistung und so unterschiedlich die Preise, denke ich nur.

Nur ein kleiner Strich. Aber der hatte es in sich
Nur ein kleiner Strich. Aber der hatte es in sich

In Torla gehe ich nochmal in den schönen Ort. Ich finde tatsächlich auch ein schönes kleines Geschenk für das Geburtstagskind und für mich eine Feldflasche. Eine runde klassische Trinkflasche mit 1,5 Liter Volumen und Fell umzu. Natürlich nicht nötig, aber die fand ich einfach knuffig. Und ist für Nestor, wenn wir auf Wanderschaft gehen. Der Bursche hat oft guten Durst. Dann noch zum Bäcker. Und dann geht's auch schon weiter.Doch ich komme nicht weit. Vielleicht 20 Km. Dann muss ich halten, weil die Landschaft zu schön ist. Ich halte an einer Brücke am Fluss und mache kurzentschlossen eine acht-Km-Wanderung. Wunderschön! Völlig allein, Sonnenschein, Wassergeplätscher, Wanderpfad. Vier Km geht es -natürlich- bergan. Ein Päuschen und wieder zurück. Mein Magen meldet sich. Zurück am Parklatz hole ich meinen Liegestuhl raus, Trinken für uns, Ochsenziemer für Nestor und die restliche halbe Pizza von gestern für mich. War irgendwie eine gute Idee, die Grande geordert zu haben. Danach Kaffe und ein Stück Kuchen - und schon geht's weiter zur Grenze.

Und immer wieder diese alten Brücken. Ich kann nicht widerstehen und muss sie fotografieren
Und immer wieder diese alten Brücken. Ich kann nicht widerstehen und muss sie fotografieren

Oben auf der Passhöhe angekommen, gehe ich spontan in einen Supermercado und kaufe noch steuerfrei sehr guten Rotwein und Honig. Nur hier oben dunkle Wolken. Dann schwubs, in Frankreich. Regen fett & satt. Unglaublich. Ich fahre vielleicht 40 Km/h, mehr geht nicht, und das noch etwa 30 Km lang. Kurz vor dem Zielort Laruns kein Regen mehr. Alles trocken. Hier hats nicht geregnet. Wo ist die Sintflut hin? Das kleine Kaff weist tatsächlich vier Campingplätze aus. Nach einigem Hin & Her treffe ich auf dem richtigen Campingplatz meine Freunde wieder. Ich verzaubere meinen Tourneo wieder zum MiniCamper und dann gehen wir auch schon nett essen. Es sollte noch ein seeehhhr langer Abend mit viel Gequatsche werden.


Samstag, 8. Oktober

Ich zahle 19,62€ für die Übernachtung. Was für eine krumme Summe...? Letztlich ist heute Heimreisezeit. Einer von zwei Tagen. Meine Freunde fahren über Montpellier nach Hause. Hundi & ich über Toulouse. Wir machen aber in Campsas auf dem Campingplatz La Tisarne einen Übernachtungsstopp. Ein wunderschöner Campingplatz. Familiär, ruhig und seinen Preis wert. Ich zahle 14,50 und weiter geht's. Den merk ich mir fürs nächste Mal 👍


Sonntag, 9. Oktober

Da gibt es dann nicht mehr viel zu sagen. Fahren, fahren, fahren. Es werden 830 Km. Abends sind wir gegen um 20:30 zurück. Und geschafft. Was aber eher der langen Autofahrt geschuldet sein dürfte. Aber natürlich mit Pausen.


Eine Auswahl schöner Perspektiven der Wanderungen in der ersten Oktoberwoche (Klick vergrößert).


Fazit

Nachfolgend mal ein kleiner Überblick zu den Kosten. Ich habe keinen Strom auf einem Campingplatz in Anspruch genommen. Ansonsten beziehen sich die Angaben auf die reinen Reisekosten, die ich gehabt habe. Restaurantbesuche und sonstige Einkäufe habe ich außen vor gelassen. Über Nacht irgendwo parken (also kein C-Platz) war bei mir einmal auf der Hinfahrt. Das ging problemlos, wie oben schon beschrieben. Ich habe mit meinem MiniCamper aus dem Elsaß quer durch Frankreich bis in die Pyrenäen nachfolgende Reisekosten gehabt:
Gesamt-Km-Strecke: 2534 Kilometer
Autobahngebühren 139 € (Hin und zurück)
Diesel gesamt: 200,55€
Campingplätze: 113,62€ (sechs Übernachtungen auf drei C-Plätzen).

Die Autobahngebühren in Frankreich sind schon heftig. Wer zwei Wochen oder mehr Zeit hat, kann die Autobahn gut meiden. Es geht also auch ohne, da viele Nationalstraßen für den Schwerlastverkehr häufig immer mal wieder zweispurig ausgebaut sind. Durch meine knapp bemessene Zeit von einer Woche und weil ich es mal ausprobieren wollte, nur die Autobahn zu nutzen, fuhr ich diese. Tempomat auf 120 Km/h und nahezu immer auf der rechten Spur. Das war schon entspanntes Dahinrollen.
In Spanien brauchte ich nicht zu tanken. Dort liegt der Dieselliter bei 1,80 - 192€. In Frankreich schwankt dieser zwischen 1,66€ und 1,95€. In Ortschaften und an Einkaufszentren liegt der Preis um die 1,75 €.  Ich hab sogar einmal den Preis von 1,66€/Liter Diesel an einer Autobahnraststätte gesehen!!

Was ich noch nicht erlebt hatte

Frankreich vom Elsaß aus, bis in die Pyrenäen, zu durchqueren bei Dauernieselregen, immerhin über 800 Km. Nur Schrottwetter.
Die Rückfahrt das genaue Gegenteil: blauer Himmel, Sonne satt.

Überhaupt hatte ich bestes Urlaubs- und Wanderwetter. Das war angesichts des üblen Anreisewetters nicht zu erwarten gewesen. Tagestemperaturen zwischen 18 bis 23°. Das hat mich etwas verblüfft. Ich dachte, in den Bergen wäre es Anfang Oktober erheblich frischer. So kannte ich es bisher. Immerhin lag der Campingplatz auf fast genau 1000 Höhenmetern. Aber einmal hatte ich morgens 5°, als es noch dunkel war. Die Sonne ging erst um 8:01 auf. Bis die hinter den Bergen vorlugte, war es gerade schon 10 Uhr durch. Gewandert bin ich bis auf etwa 1.700 Meter. Da war es dann zwar spürbar frischer, aber durch die körperliche Anstrengung fiel das nicht ins Gewicht. Die fetten Trails bis auf 3348 Meter habe ich ausgespart, weil das nochmal eine andere Hausnummer ist, auf die ich entsprechend planvoll herangehen muss. Reizen tut es mich schon.

So war das und ich komme wieder. Die Pyrenäen sind einfach faszinierend! 


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